VLAN-Segmentierung & Zero-Trust mit OPNsense
Vom flachen Netz zu segmentierten VLANs mit Default-Deny-Firewall — Interfaces, Regeln, DNS-Zwang und Reverse-Proxy-Routing auf OPNsense.
Hinweis: Alle IP-Adressen und VLAN-IDs in diesem Guide sind Beispielwerte. Passe sie an dein eigenes Netz an und sperre dich beim Umstellen nicht selbst aus — halte dir immer einen Konsolen-/Out-of-Band-Zugang offen.
Ein flaches Netz, in dem der Smart-TV im selben Segment liegt wie der Hypervisor, ist bequem — und ein Sicherheitsproblem. Dieser Guide zeigt, wie du dein Netz auf OPNsense in VLANs zerlegst und schrittweise auf Zero-Trust (Default-Deny) umstellst.
Zielbild
| VLAN | Name | Subnetz (Beispiel) | Zweck |
|---|---|---|---|
| 1 | MGMT | 10.0.1.0/24 | Firewall, Switch, Hypervisor |
| 10 | SRV | 10.0.10.0/24 | Server & VMs |
| 20 | CLIENT | 10.0.20.0/24 | Arbeits-PCs |
| 30 | IOT | 10.0.30.0/24 | Smart-Home, untrusted |
| 40 | GUEST | 10.0.40.0/24 | Gäste, vollständig isoliert |
1. VLAN-Interfaces anlegen
Unter Interfaces → Other Types → VLAN legst du pro Segment ein VLAN auf deinem physischen
LAN-Interface (z. B. igb0) an — die VLAN-ID ist das Tag, das auf dem Switch-Trunk verwendet wird.
Danach unter Interfaces → Assignments jedes VLAN als eigenes Interface zuweisen (opt1, opt2 …),
aktivieren und ihm eine statische Gateway-IP geben (z. B. 10.0.10.1 für SRV).
Auf dem Switch gehört der Uplink zur OPNsense als Trunk (alle VLANs tagged), die Zugangsports als Access-Ports im jeweiligen VLAN, und der Hypervisor-Port als Trunk, damit VMs ihr Tag bekommen.
2. DHCP pro VLAN
Pro Interface einen eigenen DHCP-Bereich (Services → DHCPv4). Wichtig: den DHCP-Server des alten Provider-Routers abschalten, sonst vergeben zwei Server parallel Leases und du jagst sporadischen Doppel-IPs hinterher.
3. Default-Deny als Fundament
Der entscheidende Schritt: OPNsense erlaubt per Default auf einem frischen Interface erstmal nichts. Genau das willst du. Statt einer „LAN → any”-Allow-Regel baust du explizite Regeln für genau die Flows, die nötig sind. Faustregel pro VLAN, in dieser Reihenfolge:
- DNS erlauben → nur zum DNS-Server (siehe unten)
- Nötige Inter-VLAN-Services → explizit (z. B. CLIENT → SRV:443)
- RFC1918 blocken → Rest-Verkehr in andere private Netze verbieten
- Internet erlauben → Ziel „!RFC1918” bzw. nur 80/443 für untrusted VLANs
# Beispiel-Reihenfolge der Regeln auf dem CLIENT-Interface (opt2):
PASS CLIENT-net → DNS-Server:53 (udp/tcp)
PASS CLIENT-net → SRV-Server:443 (tcp) # nur was gebraucht wird
BLOCK CLIENT-net → RFC1918 # keine anderen Segmente
PASS CLIENT-net → !RFC1918 # Internet
IOT und GUEST bekommen kein Inter-VLAN-Allow — nur DNS und (für IOT) eng begrenztes Internet. GUEST sieht ausschließlich das Internet, sonst nichts.
4. DNS erzwingen (Anti-Hijack)
Geräte — besonders IoT — bringen gern hartcodierte DNS-Server (8.8.8.8 & Co.) mit und umgehen so deine Filterung. Zwei Regeln schließen das:
BLOCK VLAN-net → !DNS-Server : 53 # alles außer dem eigenen Resolver blocken
NAT VLAN-net → any : 53 ⇒ DNS-Server # Port-Forward (DNAT) hardcodierter Anfragen umbiegen
Die erste Regel verbietet fremde DNS-Server, die zweite (eine Port-Weiterleitung) biegt hartcodierte Anfragen transparent auf deinen eigenen Resolver um. Damit läuft jede Namensauflösung über deinen Filter — egal was das Gerät einträgt.
5. Zentrales Routing über einen Reverse-Proxy
Statt jedem Dienst einzeln Inter-VLAN-Löcher zu bohren, erlaubst du den VLANs nur den Zugriff auf einen Reverse-Proxy (Port 443) im Server-Netz. Der Proxy terminiert TLS und routet intern weiter. Das reduziert die Firewall-Regeln drastisch und gibt dir einen einzigen, sauberen Ein- und Ausgang für Web-Dienste.
PASS alle VLANs → ReverseProxy:443 (tcp)
6. Sicher umstellen, ohne sich auszusperren
- Arbeite über einen Konsolen-Zugang (oder ein Interface, das du nicht gerade umkonfigurierst).
- Nutze Apply mit der Rollback-Funktion — OPNsense kann Änderungen nach Timeout zurücknehmen.
- Stelle ein VLAN nach dem anderen auf Default-Deny um und teste jeden Flow bewusst.
- Führe ein kurzes Logbuch: jede Allow-Regel mit einer Notiz, warum es sie gibt. Dein zukünftiges Ich wird es dir danken.
Fazit
Zero-Trust im Homelab ist kein Schalter, sondern eine Haltung: Jede Verbindung ist verboten, bis du sie bewusst erlaubst. Mit sauberen VLANs, erzwungenem DNS und einem zentralen Reverse-Proxy bekommst du ein Netz, das man dokumentieren, prüfen und ruhigen Gewissens ans Internet hängen kann.